Lieblingstrikot Frankreich 1982 – Peter Schmitz (DJ Schnuphase)

Die Weltmeisterschaft 1982 ist die erste, die ich wirklich bewusst erlebe – von 1978 habe ich nur diesen weißen Regen aus Papierstreifen in Erinnerung, der von der hellblau-weißen Kurve auf das Spielfeld prasselte. Deutschland hat nach glanzlosen, schmachvollen und akzeptablen Vorstellungen das Halbfinale erreicht. Das Spiel beginnt, während ich mit meiner Familie in der Küche beim Abendbrot sitze. Littbarski schießt das 1:0, kurze Zeit später gleicht Frankreich durch Platini aus. Dann die Schumacher-Battiston-Situation. Hier der abseits stehende, Kaugummi-kauende Kölner Torwart, dort der leblos wirkende französische Abwehrmann, der auf einer Trage vom Spielfeld gebracht wird. Platini hält seine Hand und spricht ihm zu. In der Verlängerung scheint schon alles verloren, die Franzosen führen nach Toren von Trésor und Giresse mit 3:1, mein Vater geht schlafen. Ich bleibe natürlich und schaue alleine weiter. Rummenigge wird trotz Verletzung eingewechselt und trifft zum 2:3. Klaus Fischers Fallrückzieher zum 3:3 macht aus der Verlängerung ein Monument. Elfmeterschießen. Stielike patzt. Und heult. Aber nur kurz, denn Schumacher pariert den Schuss von Didier Six. Und dann kommt Bossis. Mit runtergerollten Stutzen. Der arme Bossis verschießt. Hrubesch geht zum Punkt und legt sich den Ball nicht einmal zurecht. Ein paar kurze Schritte und wie selbstverständlich schiebt er den Ball ins Tor. Hrubesch hüpft, als ob er Sprungfedern unter den Füßen hätte. Genauso hüpft mein Herz. Und doch ist da dieses schlechte Gewissen. Frankreich ist Platini, Glanz, Tragik. Mein Land ist Gijón, Dremmler und der Kaugummi-kauende Rammbock im Tor. Zu dieser Zeit bekam ich ein Faltblatt der Fa. Sport-Dress aus Saarbrücken in die Hände. Alle Bundesliga-Trikots sowie die Trikots der wichtigsten Ländermannschaften konnte man dort bestellen. Ich habe gefühlt Stunden, Tage mit diesem Faltblatt verbracht. Und dann mein erstes Fußball-Trikot bestellt. Das blaue Adidas-Trikot mit den rot-weißen Nadelstreifen und dem goldenen Hahn auf der Brust. Allez les Bleus.

Und für die Nostalgiker, die Zusammenfassung als Video:

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